An den vier Enden der Welt
An den vier Enden der Welt
Das Weingut Castelfeder: We are family – mit Tradition und Pioniergeist zu den besten Terroirweinen Südtirols
Der Hügel von Castelfeder gute 50 km südlich von Bozen zwischen Auer und Neumarkt ist nicht nur ein über 100 Hektar großes Biotop, sondern ein mystischer Ort. Hier erinnern ein abgeschliffener Porphyrfelsen an vorbeigezogene Gletscher und die Reste einer alten byzantinischen Festungsanlage aus dem 6. Jahrhundert an vorgeschichtliche Siedlungen und spätantike Scharmützel. Beim Aufstieg hat man einen fantastischen Ausblick auf die Dolomiten und den spektakulären Wasserfall von Auer. Als Alfons Giovanett 1969 ein Weingut in dem südwestlich angrenzenden, direkt an der Etsch gelegenen Neumarkt im Süden des Südtiroler Unterlands gründete und es Castelfeder nannte, begann eine Erfolgsgeschichte, die vom sagenumwobenen Namen zu sagenhaften Weinen führte.


Hinter der Erfolgsgeschichte steht – in der Weinsprache ausgedrückt – ein hochkomplexes Konzept, das auf mehreren Ebenen geniale Ideen umsetzt. Dass man beinahe das gesamte Rebsortenspektrum Südtirols anbaut, ist schon bemerkenswert, aber noch nicht das wirklich Besondere. Vielmehr ist es die Entscheidung, jede kleinste Parzelle getrennt und ganz individuell zu pflegen und önologisch zu bearbeiten, vom Weinberg bis in den Keller hinein. Das beginnt schon vor der Bestockung mit der genauen Analyse des Bodens und der gezielten Auswahl der jeweils passenden Rebsorte. Hierbei ist von unschätzbarem Vorteil, dass das Weingut über die unterschiedlichsten Bodenstrukturen an Berghängen, in Tälern und Seitentälern, in unterschiedlichen Höhen, mit unterschiedlichen Ausrichtungen und oftmals auch mit verschiedenem Mikroklima verfügt. Das lässt sich in den Weinlinien gut nachvollziehen. Ähnlich wie in Burgund mit seinen Village-Weinen bilden beispielsweise einige Spitzenweine vom Pinot Noir keine einsame Lage, sondern das Terroir ihrer Herkunftsorte ab. In einer anderen Linie (Burgum Novum) wird ähnlich wie in Bordeaux assembliert – zwar nicht verschiedene Rebsorten, aber Trauben einer Sorte aus verschiedenen Weinbergen, die streng selektiert und gemeinsam gekeltert werden.

Das Weingut Castelfeder verarbeitet heute Trauben von 70 Hektar Rebfläche, mehr als 50 Hektar werden selbst bewirtschaftet. Die Weinberge befinden sich im Südtiroler Unterland zwischen dem Etschtal im Westen und den Bergen des Alpenhauptkamms im Osten. Es sind Lagen von Meran und Bozen im Norden bis Salurn im Süden, die auf einer Höhe von 200 bis 900 Metern über dem Meeresspiegel liegen. Die Böden sind sehr vielfältig, es überwiegt zwar vulkanischer Porphyr und stark kalkhaltiges Dolomitgestein, es gibt aber auch Weinberge mit Lehm, Ton, Schiefer und Moränenböden. Sie sind alle durch die Alpen im Norden vor kühlen Winden geschützt und sonnen sich an mehr als 300 Tagen im Jahr unter den von Süden einströmenden mediterranen Einflüssen. Die große Temperaturamplitude zwischen Tag und Nacht ist äußerst förderlich für die Ausprägung der sortentypischen Aromen in den Trauben.

Doch Familie Giovanett macht auch Riesling. Allerdings nicht in Südtiroler Lagen, sondern an der Mosel in der Riesling-Steillage Sorentberg. Das ist sozusagen eine Nachwirkung von Ivan Giovanetts Studium 2003/2004 in Geisenheim. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Tobias Treis aus Reil an der Mosel begann er 2011 die seit 25 Jahren brach liegende Steillage Sorentberg in Reil zu rekultivieren, wobei über tausend wurzelrechte Reben gerettet wurden. Sie hat eine nach Süden ausgerichtete extreme Neigung von 80 bis 110 Prozent und liegt in einem Seitental an der Mittelmosel auf der Höhe der Burg Arras nördlich von Traben-Trarbach. Damit ist ein grenzübergreifendes Joint Venture entstanden, das es Ivan ermöglicht, dem Riesling die Identität seiner Herkunft vom nur hier liegenden roten Wissenbach-Schiefer mit seinen Muscheleinschlüssen zu belassen und damit Riesling-Weine so rebsortentypisch auszubauen, wie sie nur an der Mosel entstehen können.


Mit jedem Jahrgang kann man weiterhin die einzigartige Identität und die authentischen Geschmackserlebnisse der Weine von Castelfeder genießen. Weinmagazine und Weinguides überschlagen sich mit Top-Bewertungen. Regelmäßig kassiert das Weingut Sterne, Punkte, Gläser oder Trauben in höchsten Kategorien. Es ist eines der führenden Weingüter in Südtirol, das mit seinen großartigen Weinen und seinem internationalen Ruf zum Ansehen der gesamten Region Südtirol beiträgt.
Wir konnten zwölf Weine des Weinguts Castelfeder verkosten.
2023 Raif Sauvignon Vigneti delle Dolomiti IGT

Die Weinberge mit den etwa 15 bis 20 Jahre alten Rebstöcken auf sandigen Kiesböden mit etwas Lehm und Mergel liegen auf 600 m Meereshöhe und werden durch abendliche Fallwinde abgekühlt. Dass der Sauvignon in diesen Lagen früh reift, sollte sich in der Bezeichnung „Reif“ ausdrücken, was wohl aufgrund eines Tippfehlers zu „Raif“ und nun zur Legende mit Kultstatus geworden ist. Auf dem Etikett sieht man ein wunderschön gezeichnetes Blatt der Sauvignon Blanc-Rebe. Die handgelesenen Trauben wurden im Keller eingemaischt und absolvierten für zwölf Stunden eine Kaltmazeration, um vom Aroma in der Beerenhaut zu profitieren. Nach der schonenden Pressung wurde der Most im Edelstahl vergoren, der Wein lag dann sechs Monate auf der Feinhefe.
Im Glas funkelt er in einem animierenden Gelb-Grün. Er verströmt kräftige, komplexe Aromen, darunter Stachelbeeren, reife Feigen, eine schöne Duftigkeit von Holunderblüten, ein Hauch von grünen Äpfeln und Grapefruit und dezente Anklänge an frisches Gras und Brennnesseln. Im Mund entfaltet er sich mit den Bukettaromen vollmundig und frisch. Eindrücke von exotischen Früchten vereinen sich mit floralen Noten und vegetabilen Nuancen. Alles wird umrahmt von einem lebendigen Säurespiel und deutlichen mineralischen Nuancen. Das geht so weiter bis ins lange, saftige Finale, das den alpinen Charakter dieses Sauvignons noch einmal herausstellt. Ein überaus harmonischer, eleganter Wein, der präzise und energiegeladen seine Fruchtigkeit und Frische in einer herrlichen Struktur präsentiert. Er steht zu unzähligen Fisch- und hellen Fleischgerichten sicher auf dem Tisch und an jedem schönen Sommerabend einladend auf der Terrasse. Es ist auch der Wein, der neugierig macht, wie es wohl weiter oben aussieht auf der Pyramide.
2020 Doss Chardonnay

Aus dem Glas leuchtet der Doss-Chardonnay in einer satten strohgelben Farbe mit grünlichen Reflexen. Er entwickelt seinen Duft zunächst distinguiert zurückhaltend, legt dann aber los mit rebsortentypische Aromen von gelben Äpfeln, reifen Bananen und einer Abrundung von Ananas und anderen exotischen Richtungen. Im Mund tritt der Wein fast jugendlich-forsch auf mit einem rassigen Antrunk, der dank des Ausbaus im Stahltank mit frischer Fruchtigkeit und geschmeidiger Aromatik herumtobt. Er trumpft auf mit einer komplexen exotischen Fruchtigkeit, in die sich dezente Töne von Mandeln und reifen gelben Birnen einschleichen. Saftig, rund und füllig zeigt er seinen energischen Körper vor, der von einer perfekt integrierten zarten Säure gestützt wird. Im fast schmelzigen Abgang lassen sich seine vielschichtigen, intensiven und ausgewogenen Geschmacksnoten noch lange genießen. Ein herrlich leichtfüßiger und frischer Chardonnay mit animierender Trinkfreudigkeit. Das ist der klassische Begleiter zu einer großen Pfanne knoblauchfreier Scampi, einer getrüffelten Poularde aus dem Rohr oder zu einem Dinner for two.
2022 Vigna Villa Karneid Chardonnay DOC Südtirol

Mit seiner strohgelben Farbe und kleinen grünen Reflexen strahlt der Chardonnay im Glas äußerst einladend. Expressiv öffnet er sein Bukett von einheimischen gelben Früchten mit vielen Äpfeln, dazu Mandeln, markante exotische Töne und eine Blumenwiese im Morgentau. Am Gaumen kommen die Bukettaromen mit voller Kraft an, körperreich, energisch und brillant ausbalanciert mit der angemessenen Säure, einer schönen Mineralität und feiner Würze. Dabei sind die Holzaromen als zarte Röstnoten dezent und herrlich vanillig eingebunden. Alles formiert sich zum langen Genuss im Abgang. Dieser Chardonnay bereichert ein Menü mit einem Löffelchen Kaviar als Vorspeise und Heilbutt-Loins in weißer Soße von Gartenkräutern als Hauptgang. Wer auf ein Fischessen weniger enthusiastisch abfährt, kann diesen Wein zu einem hyperklassischen Hühnerfrikassee servieren.
2020 Burgum Novum Chardonnay Riserva DOC Südtirol

In Glas sehen wir ein helles Goldgelb mit hellgrünen Rändern. In der Nase berauscht der Riserva mit einem hochkomplexen Gesamtkunstwerk aus Aromen von Banane, Apfel, Ananas, Grapefruit, Birne und etwas Zitrus. Dazu kommen zart süßliche Töne von Haselnüssen und Mandeln, Kokos und Vanille, teilweise eingekleidet in feine Röstnoten mit sanfter Holzwürze. Am Gaumen entfaltet er eine imponierende Komplexität und Raffinesse. Mit zunehmender Beatmung wird er immer kraftvoller, ohne seine ausgewogene, elegante Struktur zu vernachlässigen. Nussige und vegetabile Eindrücke treffen auf pikante Würze, winzige Rauchnoten vom Holz und auf eine moderne, leicht salzige Mineralität. Auch im herbfruchtigen, cremigen Abgang behält er seine Fülle, Frucht und spannungsvolle Finesse. Die eindrucksvolle Fruchtigkeit und die Extraktfülle passen gut zu einem Welt-Klassiker: Roasted chicken with honey-sesame carrots.
2021 Vigna Villa Karneid Merlot DOC Südtirol

Er lockt im Glas mit einem intensiven Granatrot mit violetten Reflexen. Das Bukett ist lebendig und konzentriert: rote und schwarze, frische und getrocknete Beerenfrüchte, schwarze Kirschen und ein Hauch von reifen Zwetschgen nebst einer Spur Süßholz. Ab und an deuten sich zarte Gewürznoten und etwas Vanille an. Ganz under cover schwebt eine winzige tabakige Nuance herum. Im Mund wird der leicht süßliche Schmelz des Merlots umhüllt von einer gefälligen Körperfülle, die den Fruchteindruck von den Waldbeeren, den reifen Pflaumen und die feinen Gewürznuancen ohne Ecken und Kanten, aber mit Macht vereint. Die Säure ist angenehm zurückhaltend, die Tannine rebsortengemäß verhalten und obendrein gut gezähmt. Alles gleitet harmonisch in einen langen kraftvollen Abgang. Ein höchst geschmackvoller, gekonnt ausbalancierter, eleganter Merlot. Verwöhnen Sie sich und diesen Wein mit einer Lammkeule in einer kräftigen Fleischsoße mit Kartoffelklößen. Und nicht vergessen, ihn zwei bis drei Stunden zuvor zu öffnen.
2022 Buchholz Pinot Nero DOC Südtirol

Das Etikett des Buchholz präsentiert eine besondere Geschichte: Es zeigt den kleinen Perkeo, den Mundschenk und Hofnarrn des Kurfürsten Karl III Philipp von der Pfalz. Er genoss den Ruf, mal eben das große 200.000 Liter Holzfass von Heidelberg in einem Zuge austrinken zu können. Andererseits soll Perkeo nach dem ersten Schluck Wasser leblos umgefallen sein. Vielleicht fangen Sie doch erst mal mit ein oder zwei Flaschen vom Buchholz an.
Im Glas verbreitet der Buchholz ein helles Rubinrot und offeriert spontan ein pinot-typisches Duftspektrum von Himbeeren, Erdbeeren und Sauerkirschen mit einer Anmutung von Brombeeren. Die animierenden Fruchtdüfte werden eskortiert von einer leicht rauchig-röstigen, aber immer dezenten Holznote und einer interessanten kräuterigen Würze Richtung Wacholder. Über die Zunge fließt der Wein frisch und saftig mit einer herrlich kühlen Fruchtigkeit und einer charmanten Nussigkeit, die sich auch von den mürb-sandigen Tanninen nicht stören lassen. Die feine Säure baut Zug und Spannung auf, was zusammen mit der dezenten Holzwürze noch lange nachhallt. Dieser gut strukturierte und elegante Blauburgunder feuert alle Sinne an und bringt das mediterrane Flair von Südtirols Süden ins Haus. Er verdient einen Fasan auf dem Tisch oder ein edles Filet aus der Rehkeule, scharf angebraten und mit vielen Kräutern abgeschmeckt.
2021 Glen Pinot Nero DOC Südtirol

Der Glen wurde ähnlich wie der Buchholz ausgebaut, also Vergärung auf der Maische über zwei Wochen im Edelstahl, einjähriger Ausbau des Weins in vorbelegten Barriques und dreimonatige Ruhe auf der Flasche. Dass sich der Wein von dem Buchholzer Pinot Nero unterscheidet, dessen Weinberge rund 15 km entfernt sind, ist vielleicht noch verständlich, aber dass deutliche Unterschiede zur fast benachbarten Lage Mazon bestehen, erscheint überraschend. Tatsächlich ist jedoch die Rebsorte Blauburgunder so sehr terroirbezogen, dass schon feinste Unterschiede in den Weinbergen ihrer Herkunft im Wein sensorisch wahrnehmbar sind.
Auf dem Etikett ist das Glener Viadukt der ehemaligen Fleimstalbahn abgebildet als Symbol von Aufbruch, Mobilisierung und Industrialisierung. Von hieraus hat man übrigens einen fantastischen Blick auf Bozen und das Südtiroler Unterland mit seinen scheinbar endlosen Weinbergen.
Ein klassischer Duft von Himbeeren, roten Johannisbeeren, reifen Brombeeren und Kirschen, dazu einige Gewürztöne sowie eine florale Ahnung wehen offensiv und verführerisch aus dem Glas, alles frisch und sauber zusammengefügt. Immer wieder drängelt sich ein vanilliger Touch Röstnoten vom Barrique-Ausbau dazwischen. Im Mund tummeln sich die Burgunderaromen mit gut strukturierter Kraft und frischer Eleganz. Die Bukettnoten ergänzen sich mit einem Hauch Zitruszesten, pikanten Gewürzen und zarten, gut integrierten Holztönen. Im Finish kommen seine von einer hintergründigen Säure und einer mineralen Spur umkreisten Saftigkeit und Trinkfreude eindrucksvoll zur Geltung. Ein vielschichtiger, fruchtiger Blauburgunder mit einem raffiniert austarierten vollen Körper. Gebratene Wachteln mit Steinpilzen oder ein Entrecôte vom Grill sind ein interessantes Pairing. Und bitte den Wein mindestens 30 Minuten durchatmen lassen, bevor er in große Burgunderstiele gefüllt wird.
2021 Mazon Pinot Nero DOC Südtirol

Das Etikett zeigt die Weinberge und die Burgruine Kaldiff vor dem aufragenden Felsen von Mazon. Die Burg gehörte den Gerichtsherren von Neumarkt, den Herren von Enn. Eine Sage erzählt, dass in der Ruine mehrere Schätze begraben liegen, die von zwei Hunden mit feurigen Augen bewacht werden. Sicherheitshalber sollte man sich also vor dem Besuch der Burgruine mit einem oder zwei Gläsern vom Mazon Pinot Nero schützen.
Der Mazon schimmert im Glas intensiv rubinrot mit leicht aufgehellten Rändern. Wir schnüffeln gerne und immer wieder am inspirierenden Bukett des Weins herum: Neben den Sauerkirschen und Brombeeren kommen auch erdige und würzige Anklänge und eine gehauchte Holzwürze mit Vanille herüber. Welch reife, voluminöse Kraft und elegante Struktur erfreut dann den Gaumen, welch kompakte Energie und welch erfrischende, raffiniert untergebrachte Säure, die wesentlich seidiger erscheint als bei so mancher ruppiger Burgunderlegende der Côte de Nuits. Der Geschmack registriert dezente Holztöne aus der Vanille- und Bittermandel-Ecke und eine Anmutung von Mokka. Fast endlos genießen wir während des kraftvollen schmelzigen Nachhalls die komplexe Fruchtaromatik und die feinkörnigen Tannine. Ein ausdrucksstarker, authentischer Pinot, der das Terroir fehlerfrei übersetzt und der mit seiner Kraft die Buchholz- und Glen-Pinots noch übertrifft. Das ist der Klassiker zu einer grandiosen Hirschkeule aber auch zu gut bürgerlichen Rindsrouladen.
2019 Burgum Novum Pinot Nero Riserva DOC Südtirol

Der Wein leuchtet das Glas rubinrot mit einem leicht ziegelroten Schimmer aus. Er entwickelt ein kerniges Aroma, röstfrisch und irgendwie rauchzart, gedämpft von einem kleinen Schuss Vanille. Aus dem Blauburgunder-typischen Fruchtspektrum treten schwarze Kirschen, Himbeeren, Heidelbeeren und Brombeeren hervor, wir nehmen auch feine Gewürze und einen Hauch von Rosen wahr. In den Mund spült er sich mit einem kräftigen Abdruck roter und schwarzer Beeren, einer schönen Würze, kleinen Vanillenoten und weichgeschulterten Tanninen. Wieder nehmen wir Röstnoten wahr, sanft zurückhaltend, ein wenig Kakaoaroma mag dazwischen sein. Die Säure ist angenehm rund und unterstützt zusammen mit der dichten, körperreichen und samtigen Textur und der Holzwürze das nachhaltige, extraktreiche und druckvolle Finish. Ein echter Grand Cru Burgunder – genießen Sie ihn als Solisten zu einer besonderen Gelegenheit, die auch der Wein selbst sein kann. Er wertet darüber hinaus im festlichen Menü jeden Hauptgang von edlem Wildbret auf.
2022 Rieder Lagrein DOC Südtirol

Die Trauben dieses Lagreins kommen aus Lagen im Südtiroler Unterland zwischen Bozen und Neumarkt, wo die Reben sich über Schwemmlandböden mit hohem Schottergehalt nebst Kalk- und Porphyrgestein sowie über warme sonnige Standorte am Talboden freuen. Von den Böden und dem Mikroklima her, ist es ein idealer Standort für die Lagrein Rebe. Der Name des Weins, Rieder, kommt vom gleichnamigen Weinberg bei Bozen. Die Trauben wurden im traditionellem Betonfass vergoren mit knapp zwei Wochen Maischestandzeit. Sechs Monate lagerte der Wein auf der Feinhefe.
Im Glas zeigt sich der Lagrein dunkelpurpur, fast schwärzlich. Extrovertiert erobern komplexe Aromen die Nase – Brombeeren, echte Wald-Heidelbeeren, einige Schwarze Johannisbeeren und Schlehen plus reife Zwetschgen und Schwarzkirschen. Florale Töne von Veilchen und Anklänge an Mokka, Schokolade und eine Spur Vanille duften verführerisch. An den Gaumen legt sich ein dichtes, energiegeladenes Band von samtigen Lagreineindrücken. Mit feinstrukturierten Tanninen und angenehm verhaltener Säure entfaltet er seine Kräfte. Elegant und machtvoll zugleich zeigt er seine zupackende Struktur und behält seine Power auch noch lange im Abgang. Man kann sich und diesen spektakulären Lagrein mit einer aufregenden Verkostung unter Freunden oder mit einem energischen Wildschweinbraten vom Grill oder aus dem Rohr erfreuen.
2021 Vigna Villa Karneid Lagrein DOC Südtirol

Seine dichte granatrote Farbe scheint Geheimnisse zu verbergen, so dunkel füllt er das Glas aus. Mit seinem Bukett gibt er sich jedoch keineswegs verschlossen: Er öffnet sich mit reichhaltigen Aromen von schwarzen Waldbeeren und einigen schwarzen Kirschen, dazu die Lagrein-typischen dezenten Veilchen-Düfte und ein kleines Kräutersträußchen, in das sich auch ein winziger Touch Pfeffer und Süßholz hineingeschmuggelt hat. Am Gaumen geht es sehr harmonisch und höflich zu. Alles umschmeichelt die Zunge ohne Aggressionen und ohne Geschrei: das saftige Lagrein-Fruchtspektrum, das ausgewogene Säurespiel, die weichen Tannine, die konzentrierte Dichte und die gut dosierte Kraft. Im langen, kernigen und runden Abgang verabschiedet er sich mit feinen Vanille- und Röstnoten. Das ist ein typischer, hochqualitativer Südtiroler Lagrein aus der Fraktion harte Schale, weicher Kern. Genießen Sie den Klassiker zum Klassiker: Gänsebraten mit Rotkohl und selbstgemachten Klößen. Er ziert aber auch viele andere kraftvolle Fleischgerichte, aber immer sollte es eine festliche Tafel mit würdevollem Kerzenschein sein.
2020 TECUM Pinot Bianco Riserva Südtirol DOC
Der Tecum ist seit dem Jahrgang 2017 die Sonderedition eines sortenreinen Weißburgunders, die es nur in der schlanken Magnum-Flasche gibt, von denen jede von Hand numeriert ist.

Die 10 bis 45 Jahre alten Reben wachsen in der Einzellage Buchholz an steilen Weinbergterrassen in 630 m Meereshöhe an einem Nord-Westhang bei Salurn. Zur Erinnerung – die Böden sind durchzogen von kalkhaltigem Dolomitgestein und Porphyrschichten mit hoher roter Lehmauflage. Die am 18. September 2020 gelesenen Trauben wurden im Keller mit einer zwölfstündigen Kaltmazeration begrüßt und der Most zur Vergärung in Edelstahltanks geleitet. Der Wein reifte ein Jahr lang mit Partien im Fuderfass und im Edelstahl mit anschließender zwölfmonatiger Ruhe in der Flasche.
Obgleich die meisten Weißburgunder sich im Bukett eher zurückhalten, erleben wir hier spontan eine fruchtige Duftigkeit von frischen roten Äpfeln und grünen Birnen mit einigen Zitrus-Nuancen, einem Touch Nussigkeit und feinschichtigen Holzanklängen. Dazu wehen florale Töne aus dem hellgelb ausgeleuchteten Glas und ein Eindruck von der Mineralik. Am Gaumen kommen grüne Äpfel und eine gewisse Würze an, auch Ananas und ein Hauch Aprikose nebst etwas Bittermandel, alles umgeben von einem vollfruchtigen Rahmen und einer ausgeprägten Mineralität. Trotz guter Extraktdichte ist das kein müder Tropfen, sondern ein frisch-saftiger Wein mit herrlicher Fruchtsüße und leichter Nussigkeit, alles sensibel eingebunden in die wohldosierte Säure und die feine salzig-mineralische Umgebung. Er erinnert mit seiner kühlen Finesse an eine cool climate Stilistik. Ein Weißburgunder, der seine komplexe Aromenvielfalt von einer überzeugend charmanten Seite zeigt mit einem fröhlichen, fast jugendlichen Mundgefühl – vollmundige Eleganz ohne antike Schwere oder aufdringliche Opulenz. Eine kostbare Rarität, die als Solist Geschmacks- und Gesprächsstoff bietet. Er macht süchtig unter dem Sternenhimmel und wird auch zu einem Hummerschwänzchen oder mainstreammäßig zu einem gigantischen Kalbsschnitzel mit Spargelbeilage ein vollendeter Genuss sein.
10.06.2024
Fotos: © Weingut Castelfeder